Familie
Robert von Hirsch, um 1928. Historisches Museum Frankfurt/Bibliothek der Generationen, Foto: Horst Ziegenfusz. Wir danken dem Historischen Museum Frankfurt herzlich für die kostenfreie Erlaubnis zur Veröffentlichung des Bildes.

Im Juli 1883 wurde Robert Max Hirsch in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern waren der in Ingelheim am Rhein geborene Kaufmann Ferdinand Hirsch (1843-1916) und die in Offenbach am Main geborene Anna Pauline Mayer (1850-1925). Die Familie wohnte damals in der Rheinstraße 7, während die väterliche Firma Hirsch & Co. ihren Sitz in der Großen Gallusstraße 19 hatte. Robert Max Hirsch hatte fünf Geschwister: Marie Ida Therese, verheiratete Stern (1874-1932), Carl Siegmund Hirsch (1875-1938), Paul Adolf Hirsch (1881-1951) und Alice Regina, genannt Lili, verheiratete Gerlach (?-1939).

Robert Max Hirsch besuchte das Goethe-Gymnasium in Frankfurt am Main, doch verließ er die Schule bereits mit 14 Jahren, um bei seinem Onkel Ludo Mayer in Offenbach für dessen Lederfabrik Julius Mayer & Sohn zu arbeiten. Laut Mahlau`s Frankfurter Adressbuch von 1897 wohnten seine Eltern damals in der Westendstraße 52. Ab der 1913 erfolgten Erhebung in den Adelsstand nannte er sich Robert von Hirsch.

Robert von Hirsch heiratete im Jahr 1945 in der Schweiz seine Jugendfreundin Martha Dreyfus, geborene Koch (1892-1965). Sie war die Tochter des berühmten Frankfurter Juweliers und Sammlers Louis Koch. In erster Ehe war sie mit dem Frankfurter Bankier Willy Dreyfus (1885-1977) verheiratet und hatte mit ihm zwei Kinder. Die Familie Dreyfus flüchtete 1938 in die Schweiz. Dort ließen sich Martha und Willy Dreyfus scheiden. Robert und Martha von Hirsch hatten keine gemeinsamen Kinder.

Beruflicher Werdegang

Robert Hirsch trat im Jahr 1897 mit nur 14 Jahren in die Offenbacher Lederfabrik Julius Mayer & Sohn ein. Dieses 1857 gegründete Unternehmen wurde von dem älteren Bruder seiner Mutter namens Ludo Mayer (1845-1917) geleitet. 1906, im Alter von nur 23 Jahren, wurde Robert Hirsch bereits Teilhaber dieser Firma. In das Unternehmen seines Vaters Ferdinand Hirsch namens "Hirsch & Co." in Frankfurt trat sein zwei Jahre älterer Bruder Paul Hirsch ein. Er leitete dieses im Eisen- und Metallhandel tätige Unternehmen mit Sitz in der Taunusanlage 18 (gemäß Frankfurter Adressbuch von 1908) nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seiner Ehefrau Olga Hirsch.

1913 erhob der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt Robert Hirsch in den Adelsstand. Ab dieser Zeit nannte er sich Robert von Hirsch. Im Ersten Weltkrieg diente er als preußischer Leutnant der Kavallerie, zeitweilig an der Ostfront eingesetzt. Nach dem Tod des Onkels Ludo Mayer im Jahr 1917 war Robert von Hirsch alleiniger Eigentümer der Firma Julius Mayer & Sohn. Ihm gelang es, das Unternehmen zu einem der Branchenführer auszubauen und die bestehenden internationalen Handelskontakte zu erweitern. Zudem baute er mit der Hilfe von Georg Swarzenski, dem Leiter des Frankfurter Städelschen Kunstinstituts, eine hochwertige Kunstsammlung auf.

Mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur änderte sich die Lage für Robert von Hirsch dramatisch. Er entschloss sich zur raschen Auswanderung noch im Jahr 1933, erlitt dabei aber große Vermögensverluste. So ging sein Frankfurter Hausbesitz unter Wert an die Stadt Frankfurt. Seine Offenbacher Lederfabrik übernahm die Firma Salamander ebenfalls unter Wert. In der Schweiz baute er eine neue Firma erfolgreich auf: die Lederhandels AG.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bekam er im Rahmen von Restitutionsverfahren einen Teil seiner Verluste durch die Bundesrepublik Deutschland entschädigt. Auch erhielt er das Werk "Urteil des Paris" von Lukas Cranach d.Ä., das er 1933 für die Mitnahme seiner Kunstsammlung herschenken musste, zurück. Insgesamt war Robert von Hirsch bis 1933 ein erfolgreicher Unternehmer im Deutschen Reich und danach einer in der Schweiz. Heinrich Kuhn charakterisierte ihn 1978 im Zusammenhang mit seiner Kunstsammlung folgendermaßen:

"Es entsprach der vornehmen Zurückhaltung von Hirschs, die sich in seinem ganzen kühl-distanten Wesen ausdrückte, dass er nicht nach den Sternen greifen wollte, sondern sich mit ihn im wahrsten Sinne des Wortes ansprechenden, ihm adäquaten Bildern, Statuen, Zeichnungen, mittelalterlichen Kultgegenständen, Möbeln, Tapisserien und seltenen Büchern umgeben wollte; bestimmt für eine private Sphäre, seine Sphäre, in der er lebte und grandseigneural empfing."

Rolle in der Sektion
N.N.: Hauptversammlung der Sektion. In: Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Nr. 2 vom März 1933, S. 14 (Ausschnitt).

Robert Max Hirsch ist der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins im Jahr 1908 beigetreten. Er gehörte zu einer bergbegeisterten Familie. Sein Vater Ferdinand Hirsch war bereits 1896 der Frankfurter Sektion beigetreten. Sein Onkel Ludo Mayer (Bruder der Mutter), in dessen Lederfirma er 1906 Teilhaber wurde, war sogar schon 1886 eingetreten. Sein zwei Jahre älterer Bruder Paul Adolf Hirsch trat der Frankfurter Sektion im Jahr 1911 bei.

Die Familie Hirsch-Mayer spendete zu verschiedenen Anlässen Geld, so 1909 der Onkel Ludo Mayer 100 Mark in Form von Anteilscheinen für das Taschach-Haus und 1912 der Bruder Paul Hirsch 5 Mark für den Erweiterungsbau des Gepatschhauses. Soweit wir wissen sind Ferdinand Hirsch bis zu seinem Tod 1916 und Ludo Mayer bis zu seinem Tod 1917 Mitglied der Sektion Frankfurt am Main geblieben. Der Bruder Paul ist 1914 noch als Mitglied genannt, findet sich aber nicht mehr in dem Mitgliederverzeichnis von 1925. Vermutlich ist er während des Ersten Weltkriegs oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit aus ökonomischen Gründen ausgetreten - wie so viele andere damals auch.

Robert von Hirsch, wie er seit seiner Aufnahme in den Adelsstand im Jahr 1913 hieß, ist jedoch Mitglied geblieben, denn er findet sich im Mitgliederverzeichnis von 1925. Darüber hinaus wurde er auf der Jahreshauptversammlung am 27. März 1933 für seine 25-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet und entsprechend im Heft Nr. 2 des Nachrichten-Blattes der Frankfurter Sektion vom März 1933 namentlich genannt. Da er vor 1914 eingetreten und "Frontkämpfer" des Ersten Weltkriegs war, konnte er trotz des sogenannten "Arierparagrafen", der 1934 in der Satzung der Sektion verankert wurde, Mitglied der Frankfurter Sektion des Alpenvereins bleiben. Ob er nach seiner Auswanderung in die Schweiz, die noch 1933 erfolgte, aus der Sektion ausgetreten ist, können wir derzeit mangels Quellen nicht sagen.

Verfolgungsschicksal
Adressbuch der Stadt Basel von 1935, S. I/708 (Ausschnitt).

Robert von Hirsch war ein vorausschauender Mann. Er hatte bereits im August 1932 einen Wohnsitz in Basel (Schweiz) angemeldet. Dort hatte seine Lederfirma eine Niederlassung. 1933 ist er dann aus Frankfurt am Main nach Basel ausgewandert. Unter großen Verlusten konnte er einen Teil seines Vermögens in die Schweiz retten, insbesondere seine Kunstsammlung. Allerdings musste er für die Ausreiseerlaubnis das bedeutende Werk "Urteil des Paris" von Lukas Cranach d.Ä. abgeben. Er erhielt es erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der Bundesrepublik Deutschland zurück und hat es 1965, nach dem Tod seiner Frau, dem Kunstmuseum Basel geschenkt. Seine Offenbacher Lederfabrik wurde von der Firma Salamander kostengünstig übernommen. In Basel betrieb Robert von Hirsch die "Lederhandels AG", so dass ihm auch im Exil ein entsprechender Lebensstil möglich war. 1934 bezog er ein großes Haus in der Basler Engelgasse 55.

Sein Bruder Paul Hirsch emigrierte 1936 mit seiner Frau Olga Hirsch und den vier Kindern nach Großbritannien, wo er 1951 starb. Der 1875 geborene ältere Bruder Dr. jur. Carl Siegmund Hirsch, wurde im November 1938 im Zuge der Novemberpogrome in Frankfurt am Main verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Dort ist er aufgrund der Misshandlungen bereits am 25. November 1938 umgekommen. Und dies, obwohl Robert von Hirsch die hohe Summe von einer halben Millionen Schweizer Franken für seine Freilassung bezahlt hatte. Robert von Hirsch sorgte dafür, dass die Urne seines Bruders Carl auf dem Jüdischen Friedhof in Frankfurt-Griesheim am 3. Februar 1939 - als letzte Bestattung überhaupt auf diesem Friedhof - beigesetzt wurde.

Im Jahr 1940 erhielt Robert von Hirsch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Als Dank stiftete er im folgenden Jahr Paul Gauguins Werk "Ta Matete" dem Basler Kunstmuseum. 1955 wurde Robert von Hirsch zum Ehrendoktor der Universität Basel ernannt. Zwei Jahre später ist er aus der Israelitischen Gemeinde von Basel ausgetreten. Robert von Hirsch starb im November 1977 in Basel. Seine Kunstsammlung wurde 1978 bei Sotheby's versteigert.

Quellen und Literatur

Frankfurter Personenlexikon: Robert (von) Hirsch, online abrufbar

Hessische Biografie: Robert Max von Hirsch, online abrufbar

Jahresberichte der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, online abrufbar

Heinrich Kuhn: Basel und die Sammlung Robert von Hirsch. Wurde ein wertvoller Schatz verspielt? In: Basler Stadtbuch 1978, S. 59-64, online abrufbar