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Wir sind dabei, Dr. Siegfried Katzensteins Schicksal zu dokumentieren.

Rolle in der Sektion

Dr. Siegfried Katzenstein ist der Sektion Frankfurt am Main im Jahr 1913 beigetreten. Bisher haben wir keine Quellen gefunden, die belegen, ob er aktiv am Leben der Sektion teilgenommen hat. Aber er hat sich für ihren Ausbau noch Anfang der 1930er Jahre eingesetzt: Im Februar 1933 empfahl er zusammen mit dem jüdischen Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Arthur Marum, seit 1912 Mitglied der Sektion, die Aufnahme des Frankfurter Rechtsanwaltes Werner Simon in die Sektion. Werner Simon wurde im Juni 1943 zusammen mit Ehefrau und Kind aus Berlin nach Theresienstadt deportiert und von dort im Oktober 1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt. Er gilt als verschollen, doch muss davon ausgegangen werden, dass er noch 1944 oder Anfang 1945 ermordet wurde.

Als Sektionsmitglied vor 1914 konnte Dr. Katzenstein auch nach Einführung des sogenannten "Arierparagrafen" in der Sektion Frankfurt am Main verbleiben. Ob er 1933/34 ausgetreten ist oder später ausgeschlossen wurde, lässt sich aufgrund fehlender Quellen gegenwärtig nicht mit Sicherheit sagen. Doch da er laut Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt im Jahr 1938 nicht das "Silberne Edelweiß" für 25-jährige Mitgliedschaft erhalten hat, ist davon auszugehen, dass er vor 1938 aus der Sektion ausgetreten ist oder ausgeschlossen wurde.

Verfolgungsschicksal

Dr. Siegfried Katzenstein war seit 1904 beim Landgericht Frankfurt am Main als Rechtsanwalt eingetragen. Daher konnte er als "Altanwalt" auch noch nach Januar 1933 rechtsanwaltlich tätig sein. Allerdings wurde ihm im Juni 1933 das Notariat, das er seit 1920 inne hatte, entzogen, sodass er deutliche Einkommensverluste hinnehmen musste. Zum 1. Dezember 1938 wurde ihm - wie allen jüdischen Rechtsanwälten - die Zulassung entzogen. Er durfte danach nur noch als "Konsulent" für jüdische Mandanten tätig sein. Im August 1939 gab er diese Tätigkeit auf und emigrierte mit seiner Ehefrau Maria, geborene Niedermeyer, und der im September 1911 geborenen Tochter Lieselotte in die USA. Dort lebte die Familie in Colorado.

Im Mai 1950 ist Dr. Siegfried Katzenstein in Denver, Colorado, verstorben und auf dem Friedhof Mount Nebo Memorial Park in Aurora, Colorado, beerdigt worden. Seine 1879 geborene Witwe Maria Katzenstein starb im September 1966 in Denver. Die Tochter Lieselotte, verheiratete Goldsmith, verstarb im Dezember 1999 in Aurora.

Quellen und Literatur

Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, HHStAW Bestand 458/796 und 474/5

Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main

Bernd Kreiten, Manfred Schmidt: Das Schicksal der in Krofdorf geborenen Jüdin Bertha Schmitt. Dokumentation einer Verfolgung und Vernichtung zur Zeit des Nationalsozialismus. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Giessen 99 (2014) S. 51-128.