Hier ist bald mehr zu lesen!

Wir sind dabei, Richard Merzbachs Schicksal zu dokumentieren.

Rolle in der Sektion Frankfurt

Der Rechtsanwalt Dr. jur. Richard Merzbach ist im Jahr 1910 der Sektion Frankfurt erstmals beigetreten (Bericht der Sektion 1911, S. 28). Er muss wieder ausgetreten sein, denn später wird er mit dem Eintrittsdatum 1923 aufgeführt (Bericht der Sektion 1919-1924, S. 57). Warum Richard Merzbach aus- und wieder eingetreten ist, entzieht sich gegenwärtig unserer Kenntnis. Auch wissen wir nicht, ob er im Jahr 1933 erneut aus der Sektion ausgetreten ist oder von der Sektionsleitung ausgeschlossen wurde.

Bisher können wir nicht sagen, ob Richard Merzbach aktiv am Vereinsleben der Frankfurter Sektion teilgenommen hat, da die bis dato eingesehenen Quellen hierzu keine Informationen enthalten.

Verfolgungsschicksal

Dr. Richard Merzbach konnte als „Altanwalt“ in den ersten Jahren der NS-Diktatur weiter arbeiten. Die Töchter Edith Alice, verheiratete Lobe, und Hilde, verheiratete Birnbaum, sind 1933 in die USA ausgewandert. Ihm wurde im November 1935 das Notariat entzogen. Schließlich emigrierte er zusammen mit seiner Frau Trude (Gertrude) im Oktober 1938 in die USA, sodass ihn das einen Monat später ausgesprochene Berufsverbot nicht mehr traf. Merzbach lebte mit seiner Familie in Seattle. Im August 1945 starb Richard Merzbach laut Aufbau vom 7. September 1945 an den Folgen einer Operation. Seine Frau Trude Merzbach verstarb wenige Tage später in Seattle an einer Überdosis Morphium, wie Zygmunt William Birnbaum berichtet.

Zygmunt William Birnbaum, Hildes 1940 angetrauter Ehemann, schrieb in einem Brief im Dezember 1940 über die Familie Merzbach:

"The essential facts are: her name is Hilde Merzbach. I met her a few months ago in her father’s home here. Her father, Dr. R. Merzbach, was an outstanding lawyer in Frankfurt a.M., got out on time, and settled with his family in Seattle. She worked for the last year in San Francisco, and was here for a visit. Her background: completed law studies with the German ‘Referendar,’ then in an executive position with the ‘Etam’ Corporation in London. An attractive, clever, brave girl, a good sport and good companion. The family is excellent, the girl is a splendid human being – by all one can judge – we like each other very well. I don’t think there is anything more one could ask for.”

Hilde Birnbaum erhielt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft im Februar 1944. Zum Zeitpunkt des Todes ihrer Eltern im August 1945 hatten sie und ihr Mann zwei Kinder. Über Hildes Mutter Gertrude Merzbach schrieb Zygmunt William Birnbaum:

"She was lively, easy to talk with, and a good listener. Only one quality was somewhat difficult to take: she lived with a number of constraints, a set of principles, a code of inflexible rules that said what was right and was wrong. It seemed to me that she had a kind of 'categorical imperative' that gave her character both its strength and its weakness."

Quellen und Literatur

Ann Birnbaum's notes on the Zygmunt William Birnbaum Papers, Special Collections, University of Washington Library

Bericht der Sektion Frankfurt a. M. des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins e. V. 1911. Frankfurt 1912

Bericht der Sektion Frankfurt a. M. des Deutschen und Österreichischen Alpenbvereins e. V. 1919-1924. Frankfurt 1925

Jüdische Pflegegeschichte, Gumpertz'sches Siechenhaus