Familie
Grillparzerstraße 30 in Frankfurt am Main

Paul Josef Gentsch wurde am 20. April 1885 als Sohn des Briefmarkenhändlers Friedrich Wilhelm Gentsch und der Josefa Gentsch, geb. Jacobi, in Frankfurt am Main geboren. Beide Eltern waren katholisch. Im August 1909 heiratete Paul Gentsch die am 10. April 1883 in Frankfurt geborene Katholikin Martha Lange. Sie ist die Tochter des Bankbeamten Hugo Lebrecht Lange und der Maria Magdalena Lange, geb. Heft. Paul Gentsch wohnte damals in der Bornheimer Landstraße 20, Martha Lange in der Humboldtstraße 83. Ein Trauzeuge war der Bankbeamte Karl Gentsch. Im Frankfurter Adressbuch von 1910 wird dieser mit dem Namen "Carl Gentzsch" als Bankbeamter in der Neuhofstraße 7 geführt.

Im Adressbuch von 1910 findet sich auch Paul Gentsch erstmalig verzeichnet, und zwar mit der Anschrift Humboldtstraße 83. Sein Vater wird dort unter dem Familiennamen Gentzsch mit der Anschrift Bornheimer Landstraße 20 ("Briefmarkenhändler und Expedient") aufgeführt. Paul Gentsch ist demnach im Zuge seiner Heirat aus dem Elternhaus zu seiner Ehefrau gezogen. Allerdings lebten die Langes damals im 3. Stock, während er mit seiner Ehefrau in Parterre wohnte. Ab 1915 lebte Paul Gentsch in der Klettenbergstraße 32, ab 1932 dann in der Grillparzerstraße 30 im Frankfurter Dichterviertel.

Martha Gentsch starb im Juli 1947, Paul Gentsch im April 1955 in Frankfurt am Main. Die Ehe war kinderlos.

Beruflicher Werdegang
Frankfurter Adressbuch 1933, IV. Teil, S. 84 (Handelsregister, Aktien-Gesellschaften).

Paul Gentsch feierte am 20. April 1950 nicht nur seinen 65. Geburtstag, sondern gleichzeitig auch sein fünfzigjähriges Jubiläum im Dienste der Deutschen Effecten- und Wechselbank AG (DEWB) in Frankfurt am Main. Diese Bank wurde 1872 gegründet und hatte ihren Sitz ab 1906 im "Kaiser Karree" in der Frankfurter Kaiserstraße. Tatsächlich findet sich Paul Gentsch im Frankfurter Adressbuch des Jahres 1910 erstmals als Bankbeamter aufgeführt. Er muss aber bereits seit 1900 für dieses Frankfurter Bankhaus tätig gewesen sein. Im Jahr 1925 trägt er erstmals in den Adressbüchern den Titel eines Abteilungsleiters. Und nur drei Jahre danach finden wir ihn als Bankdirektor. Leider gibt es in den Bankarchiven der Deutschen Bank und der Commerzbank keine Unterlagen zu Paul Gentsch. Die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG in Jena hat auf unsere Anfrage mittlerweile mitgeteilt, dass sie keine Personalunterlagen der früheren DEWB hat. Folglich können wir den beruflichen Weg von Paul Gentsch gegenwärtig nicht näher beschreiben.

Aufgrund eines Eintrags im Adressbuch der Stadt Frankfurt am Main von 1932 wissen wir, dass Paul Gentsch damals als Prokurist für die DEWB tätig gewesen ist. Neben ihm gab es zu diesem Zeitpunkt noch 13 weitere Prokuristen, darunter mit Siegfried Gernsheimer, Louis Kaufmann und Raimund Schilk drei, deren Prokura laut Reichs- und Staatsanzeiger Nr. 11 vom 13. Januar 1934 erloschen ist. Vermutlich verloren sie ihre Stellung in der Bank, weil sie Juden waren oder einen jüdischen Familienhintergrund hatten. Im Vorstand dieser Bank befanden sich mit Gustav Benario (Berlin), Dr. Albert Hahn und Ismar Miodownik mehrere Juden, die in der NS-Zeit ebenfalls aus der DEWB gedrängt wurden. Dr. Albert Hahn wanderte 1936 in die Schweiz und anschließend in die USA aus, während Ismar Miodownik 1939 nach Palästina emigrierte und Gustav Benario 1941 über Kuba in die USA fliehen konnte.

Paul Gentsch hingegen behielt seine Stellung aus der späten Weimarer Republik auch im Nationalsozialismus und war beispielsweise im Jahr 1940 immer noch Prokurist der DEWB. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat er weiterhin für dieses Bankhaus gearbeitet. Paul Gentsch ist somit ein Beispiel dafür, dass nichtjüdische Experten, hier ein Bankdirektor, zwei Systemwechsel unbeschadet überstehen konnten.

Rolle in der Sektion
Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Nr. 4 vom Mai 1934, S. 24.

Paul Gentsch ist der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins im Jahr 1913 beigetreten. Erstmalig ist er auf der Jahreshauptversammlung im März 1928 zu einem der beiden Ersatzmänner für die Rechnungsprüfer Direktor Eduard Bahmann und Kaufmann Karl Rößler gewählt worden und hat damit eine offizielle Funktion in der Frankfurter Sektion übernommen. Im folgenden Jahr wurde er als Ersatzmann der Rechnungsprüfer bestätigt. Zugleich hat der Vorstand ihn in den Ausschuss gewählt und zum Stellvertreter des Kassenwartes Willi Jureit gemacht – als Bankdirektor eine naheliegende Position.

Paul Gentsch wurde 1930 erneut in den Ausschuss gewählt. In diesem Jahr dankte der Vorstand ihm und Alfred Poenicke für deren "Bemühungen um das neue Bücherverzeichnis". Paul Gentsch hat sich also nicht nur um Finanzen gekümmert, sondern auch für die Bibliothek der Sektion eingesetzt. Zudem war er im Sommer 1930 im Kaunertal unterwegs und hat dem Vorstand über seine dortigen Beobachtungen und Erfahrungen berichtet. Im Oktober 1930 finden wir ihn – im Nachrichten-Blatt als Direktor G. abgekürzt – mit dem Betrag von 23,40 RM als Spender für die Rauhekopfhütte. Überhaupt markiert 1930 einen Wendepunkt in seiner Arbeit für die Sektion. Er war nicht nur Sachwalter für Rettungswesen geworden, sondern auch einer von zwei Stellvertretern des Kassenwartes Willi Jureit, einziger Stellvertreter von Gottfried Sprock für das Führerwesen, einziger Stellvertreter des Zeugwartes Fritz Klüver und einer von zwei Stellvertretern des Tourenwartes Albert Kopp. Wie bei Gottfried Sprock übernahm Paul Gentsch damals zahlreiche Funktionen im Sektionsvorstand, wenn auch vor allem als Stellvertreter. Zudem trat er auf dem Frühjahrstreffen des Südwestdeutschen Sektionenverbandes im Juni 1930 in Koblenz zum ersten Mal als Vertreter der Frankfurter Sektion auf – neben Dr. Rudolf Seng, Prof. Dr. Matthias Friedwagner, und Diplom-Ingenieur Fritz Teufel.

Im folgenden Jahr wurde Paul Gentsch wieder in den Ausschuss gewählt und behielt seine Funktionen bei: Er war zuständig für das Rettungswesen, Stellvertreter des Kassenwartes Willi Jureit, Stellvertreter des für Führerwesen zuständigen Gottfried Sprock, Stellvertreter des Zeugwartes Fritz Klüver und Stellvertreter des Tourenwarts Albert Kopp. Max Moritz Wirth, der Vorsitzende der Sektion, lobte Paul Gentsch auf einer Sitzung des Ausschusses im April 1932 für die Hilfe beim Umzug der Geschäftsstelle: "Herr Wirth gedachte der vielseitigen Hilfe verschiedener Mitglieder beim Umzuge und dankte besonders Herrn Direktor Gentsch, der seinen ganzen Einfluß aufgeboten hatte, um unser neues Heim [in der Neuen Mainzer Straße 35] unter weitgehender Schonung der Sektionskasse ebenso wohnlich wie zweckentsprechend einzurichten."

Im Jahr 1932 veränderte sich das Aufgabengebiet von Paul Gentsch im Vorstand ein wenig. Statt für das Rettungswesen war er nunmehr als Sachwalter für Wanderungen zuständig, daneben erstmals Stellvertreter des Schriftführers Curt Weißgerber und Stellvertreter des für die Jugendgruppe zuständigen August Zull, weiterhin blieb er Stellvertreter des Kassenwartes Willi Jureit, Stellvertreter des für Führerwesen zuständigen Gottfried Sprock, Stellvertreter des Zeugwartes Fritz Klüver sowie Stellvertreter des Tourenwarts Albert Kopp. Wie er diese vielen Aufgaben ausfüllte, lässt sich momentan nicht genau sagen, da uns entsprechende Quellen fehlen.

Die Übernahme der Sektionsleitung durch Dr. Ernst Wildberger und die neue Ausrichtung auf nationalsozialistische Ziele brachte auch für Paul Gentsch deutliche Veränderungen. Wildberger machte ihn zum zuständigen Mitarbeiter für Finanz- und Organisationsfragen sowie für Wandern. Alle anderen Aufgaben fielen weg. Nun findet er sich auch unter den Sektionsmitgliedern, die Führungen durch die Mittelgebirge in der Nähe Frankfurts durchführten. Er leitete beispielsweise im Januar 1934 eine Winterwanderung "Über den Feldberg" (zusammen mit Friedrich Carle) und im April 1934 eine Wanderung von Grävenwiesbach nach Butzbach (zusammen mit Georg Seelbach). Für letztere liegt uns eine Beschreibung im Nachrichten-Blatt vor, die oben im Original zu sehen ist.

Der im Februar 1934 neu bestimmte Sektionsführer Dr. Rudolf Seng ernannte Paul Gentsch dann zum "Kassen- und Werbewart", sodass er die Zuständigkeit für Wanderungen nach kurzer Zeit wieder abgeben musste. Als Werbewart hat er jedoch bereits im Dezember 1933 im Nachrichten-Blatt der Frankfurter Sektion einen Beitrag zu einem Aufruf des nationalsozialistischen "Reichssportführers" Hans von Tschammer und Osten (1887-1943) veröffentlicht.

Allerdings findet sich Paul Gentsch nach Abgabe der Zuständigkeit fürs Wandern weiterhin als Führer einzelner Wanderungen, etwa im Januar 1935 bei einer Taunuswanderung über den Feldberg, im April 1935 bei einer Rheinwanderung von Bingerbrück nach Trechtingshausen und im Juli 1935 bei einer Spessartwanderung von Ober-Sailauf nach Bad Orb, letztere wieder mit Georg Seelbach. Auf Veranstaltungen einzelner Sektionsgruppen vertrat Paul Gentsch den Vorstand, so im Dezember 1934 auf der Nikolausfeier der Jungmannschaft. Im Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt vom Dezember 1934 heißt es dazu auf S. 62:

"Zur allgemeinen Belustigung trugen die von Direktor Gentsch in verständnisvoller Weise gestifteten 'Stärkungsmittel', in Form von 'Expander' bei. Ihm sei an dieser Stelle herzlich Dank gesagt! Ebenso wurden wir höchst überrascht und erfreut durch die Mitteilung von Direktor Gentsch, daß die Sektionsleitung die Miete für das Schiheim in Oberreifenberg übernommen hat und uns somit kostenlose Uebernachtung und Benutzung ermöglicht. Mit herzlichen Worten dankte unser 'Jonny', und ein dreifaches 'Bergheil' erscholl auf den Vorstand, der der Jugend gegenüber so viel Verständnis entgegenbringt."

War Paul Gentsch auf der Jahreshauptversammlung im Februar 1935 von Rudolf Seng noch erneut zum Kassen- und Werbewart berufen worden, legte er kurz danach seine Ämter nieder, ohne dass wir zurzeit sagen können, warum. Es scheint aber kein grundsätzliches Zerwürfnis mit dem Sektionsführer bestanden zu haben, denn Rudolf Seng dankte ihm auf einer Beiratssitzung für seine mehrjährige vorbildliche Tätigkeit. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter, Oberbuchhalter Rudolf Tonn. Paul Gentsch blieb Mitglied der Sektion und konnte daher auf der Jahreshauptversammlung im März 1938 für 25-jährige Mitgliedschaft im Alpenverein ausgezeichnet werden. Laut Nachrichten-Blatt Nr. 2 vom Mai 1950 hat Paul Gentsch nach der Zerstörung der Geschäftsräume in der Neuen Mainzer Straße bei einem Luftangriff 1944 durch Zugriff wertvollen Besitz der Sektion an "Hüttenausrüstung" in Sicherheit gebracht. Wie und was genau Paul Gentsch damals an sich genommen hat, ist unklar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg taucht er ab dem Jahr 1949 wieder im Umfeld des Vorstandes der Frankfurter Sektion auf. Zuerst nahm er nur an Sitzungen des Bau- und Finanzausschusses teil. Zwei Jahre später ist er dann Mitglied des Ältestenrates der Sektion geworden. Und 1952 wurde Paul Gentsch zusammen mit dem Wirtschaftsprüfer Münch als Ersatz für die beiden verhinderten Rechnungsprüfer, deren Wahlperiode noch nicht abgelaufen war, gewählt. Im folgenden Jahr erhielt er die Auszeichnung für 40-jährige Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein. Bankdirektor Paul Gentsch hat damit im Vorstand der Frankfurter Sektion in drei Systemen gearbeitet, nämlich in den letzten Jahren der Weimarer Republik, in den ersten Jahren der NS-Diktatur und wieder in der Bundesrepublik Deutschland.

Quellen und Literatur

Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, online abrufbar

Frankfurter Adressbücher, insbesondere der Jahre 1910 bis 1943, online abrufbar