Familie
Frankfurt am Main, Guiollettstraße 57. Im Erdgeschoss dieses Hauses wohnte Otto Aschaffenburg mit seiner Familie in den 1920er Jahren.

Otto Aschaffenburg wurde im Dezember 1878 in Frankfurt am Main als Sohn von Gustav Aschaffenburg (1843-?) und Anna Amalia Aschaffenburg, geb. Schönhof (1854-1930), geboren. Beider Eltern waren jüdisch. Er hatte zwei ältere Brüder: Harry Alfred Aschaffenburg (1875-?) und Juris Paul Siegfried Aschaffenburg (1877-1932). Im Jahr seiner Geburt wohnte die Familie in der Ostendstraße 25. Laut Mahlau's Frankfurter Adressbuch von 1897 war der Vater nicht nur Musiklehrer für Klavier an der 1860 gegründeten Frankfurter Musikschule, sondern auch Chordirigent an der Hauptsynagoge Frankfurts. Die Familie lebte damals in der Uhlandstraße 40. Im Jahr 1905 lebte die gesamte Familie im Oberweg 22. Der Vater wurde als Musiklehrer geführt, Otto und sein Bruder Harry jeweils als Kaufmann sowie der Bruder Paul als Gerichts-Referendar und Dr. jur.

Otto Aschaffenburg heiratete im August 1918 die 1895 geborene Lili Dormitzer, Tochter von Louis Dormitzer und Sophie Dormitzer, geb. Kupfer, die beide im September 1942 aus Nürnberg nach Theresienstadt deportiert wurden. 1918 lebte die Familie von Otto Aschaffenburg in der Lichtensteinstraße 2, während sein Bruder Harry, nunmehr als Bankdirektor geführt, in der Wolfsgangstraße 47a und seine verwitwete Mutter Anna Amalia Aschaffenburg als Privatiere in der Hammanstraße 6 (im Frankfurter Nordend) wohnten.

Otto und Lili Aschaffenburg hatten zwei Kinder: den August 1919 geborenen Hans Wolfgang Aschaffenburg und die im Februar 1921 geborene Greta Aschaffenburg, später verheiratete Merchant. Nach der Geburt der beiden Kinder wohnte die Familie des zum Bankdirektor gewordenen Otto Aschaffenburg in der Guiollettstraße 57 im Frankfurter Westend. Im selben Stadtviertel wohnten seine Brüder Harry Aschaffenburg, ebenfalls Bankdirektor, und zwar in der Westendstraße 94, und Dr. Paul Aschaffenburg, damals Oberlandgerichtsrat, Im Trutz Frankfurt 40.

Nach der 1928 erfolgten Fusion des Frankfurter Bankhauses Lazard Speyer-Ellissen mit Sitz in der Taunus-Anlage 11 mit dem Berliner Bankhaus C. Schlesinger-Trier & Co. zog die Familie von Otto Aschaffenburg nach Berlin und wohnte anfangs in Berlin-Dahlem und ab den frühen 1930er Jahren in Berlin-Charlottenburg.

Beruflicher Werdegang
Amtliches Frankfurter Adressbuch 1928, S. 596 (Ausschnitt).

Otto Aschaffenburg ist im Jahr 1894 als Lehrling in das Bankhaus Lazard Speyer-Ellissen eingetreten. Für dieses führende deutsch-jüdische Bankhaus in der Taunus-Anlage 11 war er laut Frankfurter Adressbuch bereits vor dem Ersten Weltkrieg als einzeln handlungsfähiger Prokurist tätig. 1920 ist er dann einer der Inhaber dieses Bankhauses geworden. Im Jahr 1928 gab es neben ihm noch die Inhaber Kommerzienrat Eduard Beit von Speyer (1866-1933), Dr. Ernst Picard (1890-1936), Staatssekretär a.D. Carl Bergmann (1874-1935) und Ernst Kahn (1884-1959).

Das Bankhaus fusionierte mit dem Berliner Bankhaus C. Schlesinger-Trier & Co, doch geriet es im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 in erhebliche Schwierigkeiten und wurde schließlich im Jahr 1934 aufgelöst. Otto Aschaffenburg blieb danach in Berlin und wohnte laut Berliner Adressbücher der Jahre 1935 bis 1942 als Bankier in Charlottenburg in der Straße Am Rupenhorn 12-14.

Rolle in der Sektion
N.N.: Bericht über das Sektionsjahr 1936. In: Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Nr. 2 vom März 1937, S. 2 (Ausschnitt).

Otto Aschaffenburg trat der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins im Jahr 1911 bei. Er ist im Verzeichnis der Mitglieder der Sektion für das Jahr 1925 als einziges Familienmitglied aufgeführt. Otto Aschaffenburg scheint nach seinem Umzug nach Berlin nicht in die dortige Alpenvereinssektion eingetreten zu sein. Zumindest findet sich sein Name weder im Verzeichnis des Jahres 1929 noch in den Nachträgen von 1930 und 1931.

Auf der Jahreshauptversammlung im März 1936 wurde Otto Aschaffenburg für seine 25-jährige Mitgliedschaft im Alpenverein das Silberne Edelweiß verliehen. Hierüber berichtete das Nachrichten-Blatt der Frankfurter Sektion im März 1937 unter namentlicher Nennung von Otto Aschaffenburg. Übrigens wurde an dieser Stelle auch die Verleihung des silbernen Edelweißes an Dr. Alfred Carlebach erwähnt. Da Otto Aschaffenburg bereits vor 1914 Mitglied der Sektion Frankfurt am Main gewesen ist, betraf ihn der 1934 in der Satzung verankerte sogenannte "Arierparagraf" nicht. Er konnte also in den ersten Jahren der NS-Diktatur Mitglied bleiben. Die Auszeichnung belegt zudem, dass Otto Aschaffenburg 1933 weder aus der der Sektion ausgetreten ist noch von ihr ausgeschlossen wurde.

Verfolgungsschicksal

Otto Aschaffenburg starb nach einer Operation im Jahr 1942 in Berlin. Seine Ehefrau Lili Aschaffenburg überlebte die Verfolgung und verstarb im August 1991 in Boston (Massachusetts, USA). Sein Sohn Hans Wolfgang Aschaffenburg konnte in die USA (Boston) auswandern und verstarb dort im Mai 1979. Ottos Tochter Greta Aschaffenburg ging vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Großbritannien (Oxford) und wanderte später ebenfalls in die USA (New York City) aus, wo sie 2018 in Needham (Massachusetts) verstarb.

Lili Aschaffenburgs Eltern wurden beide im September 1942 aus Nürnberg nach Theresienstadt deportiert. Ihre Mutter Sophie Dormitzer starb bereits kurz danach am 23. September 1942 in Theresienstadt an den dort herrschenden katastrophalen Lebensbedingungen. Ihr Vater Louis Dormitzer ist dort etwas später, nämlich am 26. Februar 1943, gestorben.

Quellen und Literatur

Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, online abrufbar

Frankfurter Adressbücher, online abrufbar