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Wir sind dabei, Klaus Neissers Schicksal zu dokumentieren.

Familie

Klaus Neisser wurde 1911 in Frankfurt am Main als jüngstes Kind von Prof. Dr. med. Max Neisser und Emma Eleonore Neisser, geb. Hallgarten, geboren. Er hatte zwei ältere Geschwister: Elise Charlotte, genannt Liselotte (1902-1994) und Gerhard Ernst (1905-1984). Die Familie Neisser wohnte damals in der Miquelstraße 21. Klaus Neissers Mutter Emma Eleonore war die Tochter des jüdischen Mäzens Charles L. Hallgarten (1838-1908) und der Elise Mainzer (1840-1895), die ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammte.

Sein Vater Dr. Max Neisser war 1911 Mitglied der Städtischen Gesundheitskommission von Frankfurt am Main und Direktor des Städtischen Hygienischen Instituts. Wie der Vater war auch Klaus Neisser evangelisch. Entsprechend vermerkte er auf seiner Anmeldekarte für die Universität Frankfurt im April 1931 unter Religion: "ev." (=evangelisch). Klaus Neisser beendete Ostern 1930 seinen Besuch des Wöhler-Realgymnasiums mit dem Abitur.

In Brasilien hatte Klaus Neisser zwei Kinder: den November 1941 in Sao Paulo geborenen Sohn Maximiliano Piero und die im August 1948 ebenfalls in Sao Paulo geborene Tochter Adriana. Sein Sohn, Prof. Dr. Maximiliano Piero Neisser hat 1972 einen Abschluss in Zahnmedizin an der Universität Sao Paulo gemacht sowie einen Masterabschluss in Zahnmedizin von der Universität Estadual Paulista Júlio de Mesquita Filho aus dem Jahr 1992. Zudem erhielt er 1997 einen Doktortitel von der Universität Estadual de Campinas.

Beruflicher Werdegang
Studierenden-Ausweis von Klaus Neisser vom 8. April 1931. Dieser Ausweis liegt in der Akte des Universitätsarchivs Frankfurt, UAF Abt. 604, Nr. 7479. Die Rechte am Bild liegen beim Universitätsarchiv Frankfurt, dem wir herzlich für die entgeltfreie Erlaubnis zur Veröffentlichung des Ausweises danken.

Klaus Neisser studierte Chemie, und zwar vom April 1931 bis November 1932 an der Universität Frankfurt, anschließend an der Universität Göttingen. Er promovierte schließlich in Organischer Chemie an der Universität Göttingen bei Prof. Dr. Adolf Windaus (1876-1959). An dessen Institut wollten NS-Studenten im Herbst 1935 Klaus Neisser wegen seiner jüdischen Eltern vertreiben. Doch wandte sich Adolf Windaus an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, um gegen diese Studenten vorgehen zu können. Da Windaus jedoch damit rechnete, keine Erlaubnis zu erhalten, bot er seinen eigenen Rücktritt zum 1. April 1936 an. Überraschenderweise mussten die studentischen Hauptaktivisten die Universität Göttingen verlassen, während Klaus Neisser seine Promotion beenden konnte. Er wurde im Januar 1936 mit einer Arbeit über "Synthetische Versuche an Abbauprodukten des antineuritischen Vitamins" promoviert.

Klaus Neisser wanderte nach dem Abschluss seiner Promotion nach Brasilien aus. Dort arbeitete er in den Jahren 1937-1938 am Instituto Butantan, dem Kaffee-Institut in Sao Paulo, als Assistent von Karl Heinrich Slotta (1895-1987). Zum Beispiel veröffentlichte Neisser zusammen mit Slotta in der Zeitschrift "Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft" einen Beitrag zur Chemie des Kaffees, worin beide eine neue Methode zur Bestimmung der Chlorogensäure beschrieben. Slotta war 1935 nach Brasilien ausgewandert, da seine Frau jüdisch war. Klaus Neisser und Karl Heinrich Slotta entdeckten die Serini-Reaktion, die sich für die Synthese von Stereoiden nutzen lässt. Außerdem gelang es Klaus Neisser zusammen mit Gherard Szyszka und Karl Heinrich Slotta Crotoxin, ein toxisches Protein aus Klapperschlangengift, zu isolieren.

Rolle in der Sektion

Klaus Neisser ist im März 1933 von seinem Vater Prof. Dr. med. Max Neisser und dem jüdischen Rechtsanwalt Dr. Adolf Fuld für die Aufnahme in die Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins empfohlen worden. Er war zum Zeitpunkt des Beitritts Student an der Universität Frankfurt, sodass er der studentischen Abteilung beigetreten ist.

Da seine Eltern aus jüdischen Familien stammten, dürfte er nach der Einführung des sogenannten "Arierparagrafen" aus der Frankfurter Sektion wieder ausgeschlossen worden sein. Eventuell ist er auch selbst im Jahr 1933 wieder ausgetreten. Ob er überhaupt an Veranstaltungen der studentischen Abteilung oder der Sektion Frankfurt teilgenommen hat, können wir aufgrund fehlender Quellen nicht sagen.

Quellen und Literatur

Universitätsarchiv Frankfurt, UAF Abt. 604, Nr. 7479

Klaus Neisser: Synthetische Versuche an Abbauprodukten des antineuritischen Vitamin. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Georg-August-Universität Göttingen. Göttingen 1935.

Karl Heinrich Slotta, Klaus Neisser: Zur Chemie des Kaffees. I. Mitteilung: Eine neue Methode zur Bestimmung der Chlorogensäure. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 71 (1938), S. 1616-1622.

Frankfurter Personenlexikon: Max Neisser, online abrufbar

Mitchell G. Ash: Vertriebene, Verbliebene, Verfehlungen: Der Nobelpreis und der Nationalsozialismus, In: Das Göttinger Nobelpreiswunder. 100 Jahre Nobelpreis. Vortragsband. Hrsg. von Elmar Mittler und Fritz Paul. Göttingen 2004 (=Göttinger Bibliotheksschriften, Bd. 23), S. 83-113, online abrufbar