Familie

Gottfried Sprock wurde im November 1899 in Frankfurt geboren. Sein Vater Josef Sprock war Städtischer Rechnungsrevisor und ist im Jahr 1917 verstorben. Da auch seine Mutter nicht mehr lebte, kam Sprock zu seinem Onkel Gottfried Rühl, der zugleich sein Vormund war. Rühl ist Rentmeister des Frankfurter Waisenhauses in der Nidda-Straße 30 gewesen und wohnte wie Josef Sprock in der Hegelstraße 17.

Gottfried Sprock ging auf die Klinger-Oberrealschule am Hermesweg und erwarb dort die Hochschulreife. Er war mit Felicitas Sprock verheiratet.

Beruflicher Werdegang

Gottfried Sprock studierte von Dezember 1917 bis Oktober 1924 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität das Fach Chemie. 1923 hat er das Verbandsexamen abgelegt und wurde im November 1924 mit der Arbeit "Über ein d-Glucose-5.6-dichlorhydrin und verwandte Verbindungen" promoviert. Die Frankfurter Adressbücher führten ihn als Chemiker, der seit 1926 in Ginnheim in der Raimundstraße 58, ab 1933 dann in Eschersheim in der Lucae-Straße 15 wohnte. Allerdings listet ihn das Adressbuch 1943 nicht als Chemiker, sondern als Kaufmann. Ob es sich dabei um einen Fehler handelt, konnte bis dato nicht geklärt werden.

Von August 1939 bis August 1940 leistete er Kriegsdienst, anfangs als Gefreiter, und erlangte den Dienstgrad Feldwebel der Reserve und Reserveoffiziersanwärter. Er war als Soldat im Landesschützen-Bataillon V/IX in Polen eingesetzt und ab Juni 1940 in Frankreich. Im Oktober 1940 ist er nach eigenem Bekunden als Chemiker bei der Dynamit A.G. im Werk Krümmel bei Geesthacht dienstverpflichtet worden. Gottfried Sprock arbeitete somit in einer der wichtigsten Sprengstoff-Fabriken des Deutschen Reiches.

Rolle in der Sektion Frankfurt

Wann Dr. Gottfried Sprock in die Sektion Frankfurt des DuOeAV eingetreten ist, bleibt unklar. Im Verzeichnis von 1924 wird er noch nicht aufgeführt. Doch bereits 1929 wurde Gottfried Sprock in den Sektionsausschuss durch Zuwahl aufgenommen und hatte die Funktion eines von drei Stellvertretern des für Wanderungen zuständigen Carl Barth inne. 1930 wurde er Sachwalter für Führerwesen, war daneben ein Stellvertreter des für Wanderungen zuständigen Wilhelm Schneider sowie ein Stellvertreter des für Rettungswesen zuständigen Paul Gentsch. Im Laufe der Zeit übernahm er immer mehr Aufgaben in der Sektion. An der Hauptversammlung des DuOeAV in Freiburg im Juli 1930 nahme er neben dem ersten Schriftführer Curt Weißgerber als Vertreter der Frankfurter Sektion teil. Im Juli 1931 benannte ihn die Sektion, diesmal mit Willi Jureit, erneut als Frankfurter Stimmführer für die in Baden bei Wien stattfindende Hauptversammlung. Ein Jahr darauf war Dr. Sprock bereits Sachwalter für Führerwesen, einer von vier Stellvertretern für Hütten und Wege (Sachwalter Dr. Rudolf Seng), Stellvertreter für die Jungmannschaft (Sachwalter August Zull), einer von vier Stellvertretern für Wanderungen (Sachwalter Paul Gentsch), einer von zwei Stellvertretern für die Studentische Abteilung (Sachwalter Prof. Dr. Matthias Friedwagner; daneben aus der Studentenabteilung auch Ernst Meissinger) sowie einer von zwei Stellvertretern der Schi-Abteilung (Sachwalter Albert Kopp). Im März 1933 ist er schließlich als Ersatz für Dr. Arthur Kutz, der nach 25 Jahren aufgrund der geänderten politischen Situation nicht mehr zur Wahl antrat, in die Sektionsleitung gewählt worden.

Daneben hat er mindestens seit 1928 zahlreiche Empfehlungen zur Aufnahme von Neumitgliedern in die Sektion ausgesprochen, etwa den Kassenobersekretär Hans Müller, seine Ehefrau Felicitas Sprock und den Kaufmann Valentin Falter, letzteren zusammen mit Max Moritz Wirth. Seit 1928 findet er sich auch unter den Führern von Tagesausflügen in die Umgebung, zum Beispiel im November 1928 eine Winterwanderung im Taunus, im April 1930 eine Frühlingswanderung in die Bergstraße und im August 1931 einen Spaziergang nach Berkersheim.

Vereinzelt hat Dr. Sprock Beiträge im Nachrichten-Blatt der Sektion veröffentlicht (etwa "Taunuswanderung" in Nr. 12 vom Dezember 1928 und "Der Hohe Dachstein" in Nr. 8 vom September 1932) sowie Vorträge gehalten (beispielsweise am 29. März 1933 auf dem Heimatabend der Jungmannschaft einen Lichtbildervortrag über "Schifahrten kreuz und quer durch die Alpen").

Dr. Ernst Wildberger als neuer Sektionsführer hat Dr. Gottfried Sprock im Juli 1933 noch zum Schriftführer und Führerwart ernannt, außerdem zum Stellvertreter des Sachwalters Hütten und Wege, des Sachwalters Jungmannschaft, des Sachwalters Laternbilder, des Sachwalters der Schi-Abteilung und des Sachwalters der Studentischen Abteilung. Die Ämterverteilung setzte damit fort, was in der Weimarer Republik seit 1930 gang und gäbe war. Allerdings ist Sprock vom neuen Sektionsführer Dr. Rudolf Seng im Mai 1934 nicht in den neuen Beirat berufen worden und war auch kein Sachwalter oder Stellvertreter mehr - anders als Ernst Wildberger, der im Beirat für Vortragswesen und juristische Angelegenheiten zuständig war, oder Dr. Max Tasche, im Beirat für die wissenschaftliche Abteilung verantwortlich. Gottfried Sprock schied somit aus der Führung der Frankfurter Sektion aus, ohne dass zurzeit nachweisbar ist, aus welchem Grund er nicht mehr berücksichtigt wurde oder selbst nicht mehr aktiv sein wollte. Allerdings hatte Dr. Sprock seine eigentliche Vorstandstätigkeit mit Übernahme des Sachwalters für Führerwesen im April 1930 gewissermaßen auf Kosten Dr. Sengs begonnen, weil letzterer zuvor für den Hütten- und Wegebau sowie das Führerwesen zuständig war. Eventuell führte also eine ablehnende Haltung Dr. Sengs zum Ende der Vorstandstätigkeit von Gottfried Sprock.

Quellen und Literatur

Universitätsarchiv Frankfurt am Main, UAF Abt. 604, Nr. 5724

Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main