Was wir bisher wissen

Arthur Kutz, 1871 in Bamberg geboren, war seit 1901 Mitglied der Frankfurter Alpenvereins-Sektion. Viele Jahre davon gehörte er dem Sektions-Vorstand an, bis er im März 1933 nicht wiedergewählt wurde. Grund dafür dürfte gewesen sein, dass die Sektionsführung unter Max Moritz Wirth davon ausging, dass der Verein zunächst keine Einflussnahme des NS-Regimes zu fürchten habe, wenn der Vorstand "judenrein" sei. Im Nachrichten-Blatt der Sektion war nachher zu lesen, dass Kutz, inzwischen ein angesehener Frankfurter Gynäkologe, wegen starker beruflicher Belastungen nicht wieder angetreten sei. Tatsächlich gibt es aber Hinweise, wonach er gezwungenermaßen nicht kandidierte.

Dr. Arthur Kutz war mit Rosa (geb. Ederheimer) verheiratet. Er war leitender Arzt im Frankfurter Bürgerhospital und laut Zeitzeugen bei Patientinnen und Kollegen sehr beliebt und respektiert. Er war außerdem langjähriges Mitglied im honorigen Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Verein, der es als seine Aufgabe ansah, „für die Förderung schöpferischer Entfaltung bei der Gestaltung gewerblicher Produkte Anregung zu geben und zugleich der Mitwelt durch die Pflege des Gemeinsinns und am Beispiel früherer Kulturen bleibende Werte zu vermitteln.“ Daneben dürfte er sich auch noch für weitere gute Zwecke eingesetzt haben in der damaligen Frankfurter Bürgergesellschaft.  

In den 1930er Jahren wurde der jüdische Mediziner binnen weniger Jahre seiner sozialen Stellung beraubt und ausgegrenzt. Im Bürgerhospital wurde ihm gleich 1933 auf Drängen der Nationalsozialisten ein weiterer Gynäkologe zur Seite gestellt, da man es, so die Begründung damals, „arischen Frauen nicht zumuten konnte, sich von einem jüdischen Arzt untersuchen zu lassen“. 1935 musste er, wie viele andere Juden, den Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Verein verlassen – vorausgegangen waren die Nürnberger Gesetze, die Jüdinnen und Juden die Reichsbürgerschaft aberkannten. 1936 verlor er seine Stellung im Bürgerhospital und dürfte in der Frankfurter Staufenstraße, wo er wohnte, als privat praktizierender jüdischer Arzt nur noch jüdische Patienten behandelt haben.

1938 wurde ihm, wie allen jüdischen Ärzten in Deutschland, die Approbation entzogen. Er verließ zusammen mit seiner Frau Frankfurt noch im gleichen Jahr, was ihm „sehr schwer fiel“, wie überliefert ist, und emigrierte zunächst in die Schweiz und von dort um 1941 in die USA. Ihre beiden erwachsenen Kinder Walther und Elisabeth waren schon 1935 dorthin ausgewandert. Einen beträchtlichen Teil seines Vermögens mussten auch die Kutz' zurücklassen – in Form der „Reichsfluchtsteuer“, der jüdischen Vermögensabgabe und anderer Zwangszahlungen. Er starb 1947 in den USA.

Wir werden hier bald weitere Informationen zu Arthur Kutz und seiner Familie dokumentieren.

Quellen

Bauer, Thomas: Mit lebhaftem Bedauern. Der Mitteldeutsche Kunstgewerbe-Verein in der Zeit des Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2016

Bauer, Thomas: Mit offenen Armen. Die Geschichte des Frankfurter Bürgerhospitals. Frankfurt, Bürgerhospital e.V./Senckenbergische Stiftung 2004.  
S. 85-91

Gemeindearchiv Meggen

Nachrichten-Blätter der Sektion Frankfurt am Main, v.a. Heft 4/1933

Staatsarchiv des Kantons Luzern

Stadtarchiv Luzern