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Wir sind dabei, Dr. Alfred Carlebachs Schicksal zu dokumentieren.

Familie

Alfred David Carlebach wurde im Januar 1887 in Frankfurt am Main als Sohn des aus Mannheim stammenden jüdischen Kaufmanns Julius Carlebach (1852-1931) und der in Obernbreit (Bayern) geborenen Mathilde Benario (1863-1931), ebenfalls aus einer jüdischen Familie, geboren. Damals wohnten seine Eltern in der Kirchnerstraße 4. Alfred hatte drei Geschwister: den 1888 kurz nach der Geburt verstorbenen Max Carlebach, die 1890 geborenen Irma Jeanette, verheiratete Cobliner, die mit ihrer Familie 1936 nach Palästina auswandern konnte, und die 1892 geborene Fanny Flora, verheiratete Stern, die mit ihrer Familie 1939 nach Großbritannien gelangte.

1914 wohnte Alfred Carlebach in der Blumenstraße 3 im Frankfurter Nordend, übrigens unter derselben Adresse wie sein Vater Julius Carlebach, der laut Frankfurter Adressbuch dieses Jahres dort ein Bankgeschäft betrieb. Aus einem Nachtrag zum Adressbuch des Jahres 1914 geht hervor, dass Alfred Carlebach sich unter den Rechtsanwälten mit der Anschrift Kirchnerstraße 4 eintragen ließ, also mit der Anschrift, in der er ab Januar 1919 wieder seine Kanzlei hatte. Dies belegt, dass er 1914 aus dem Haus, in dem seine Eltern wohnten, ausgezogen ist.

Nach seinem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg in der Bayerischen Armee (Reserve-Feldartillerie-Regiment 1, Einsatz in Frankreich) kehrte Alfred Carlebach im Dezember 1918 nach Frankfurt am Main zurück. Er heiratete im Februar 1919 die geschiedene "Conzertsängerin" Elisabeth Wachsmuth, geb. Posen, Tochter des jüdischen Fabrikanten Dr. Eduard Posen (1857-1916) und der Friederike Mayer (1868-1946), beide aus Frankfurt. Im Oktober 1919 wurde Carlebachs erstes Kind namens Peter Andreas Carlebach, der sich in Großbritannien Peter Andrew Carson nannte, geboren. Elisabeth Carlebach hatte aus ihrer ersten Ehe mit Wolfgang Wachsmuth (1891-1953) eine Tochter namens Dorothee Schmoller, geb. Wachsmuth (1916-1948), die bei ihnen lebte.

Anfang 1919 arbeitete Alfred Carlebach als Rechtsanwalt in Frankfurt (Kirchnerstraße 4), bereits 1920 jedoch in Berlin-Grunewald in der Hubertusallee 31 und später in einer Sozietät mit Erich Koch-Weser. Koch-Weser war 1919 bis 1921 Reichsminister des Inneren und 1928 bis 1929 Reichsminister der Justiz und von 1924 bis 1930 Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei. Er wanderte Ende 1933 aufgrund seiner jüdischen Mutter mit seiner Familie nach Brasilien aus und lebte auf einer Kaffeeplantage in der Nähe von Rolandia, wo später auch der Rechtsanwalt Max Hermann Maier und seine Ehefrau Mathilde Maier, beide ebenfalls Mitglieder der Frankfurter Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, eine Kaffeeplantage betrieben. Alfred Carlebach ging mit seiner Familie Mitte der 1930er Jahre nach Großbritannien.

Rolle in der Sektion

Dr. jur. Alfred Carlebach trat im Jahr 1911 der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins bei. Er blieb auch während seiner Zeit in Berlin Mitglied dieser Sektion. Auf der Jahreshauptversammlung am 23. Februar 1937 wurde Dr. Alfred Carlebach (wie Dr. Arthur Marum) von der Frankfurter Sektion mit dem silbernen Edelweiß für 25jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet, obwohl er damals bereits in London lebte. Dies war möglich, weil er bereits vor 1914 Mitglied der Sektion war und somit aufgrund der für diesen Personenkreis geltenden Ausnahme trotz des 1934 eingeführten sogenannten "Arierparagrafen" in der Sektion verbleiben konnte. Die Auszeichnung belegt zudem, dass Alfred Carlebach nach Beginn der NS-Diktatur nicht aus der Sektion Frankfurt am Main ausgetreten ist.

Quellen und Literatur

Jahresberichte der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, online abrufbar