„Weder haben wir dem Arierparagraphen seinerzeit zugestimmt, noch haben wir Mitglieder aus rassischen Gründen entfernt.“
Max Moritz Wirth
Kommissarischer Vorsitzender der Sektion
Frankfurt am Main, Mitgliederversammlung im April 1946
Familie und Beruf

Max Moritz Wirth wurde am 28. Juni 1880 in Frankfurt am Main in eine Familie geboren, die sich intensiv für demokratische Werte und Frieden einsetzte. Sein Großvater Johann Georg August Wirth hatte 1832 das Hambacher Fest mitorganisiert und war 1848 Abgeordneter des Paulskirchen-Parlaments gewesen.

Max M. Wirths Vater Franz Ulpian Wirth (1826-1897) wird als der erste Patentanwalt Deutschlands angesehen. Er kam 1848 nach Frankfurt, wo er eine sehr erfolgreiche Kanzlei betrieb. Zusammen mit seinem Bruder Max gründete er das Wochenblatt „Der Arbeitgeber“, aus dem 1879 in die Zeitschrift „Der Patentanwalt“ entstand. 1892 zog Franz Wirth sich aus dem Beruf zurück und widmete sich ganz der Friedensbewegung. Er war Mitgründer der Deutschen Friedensgesellschaft und war bekannt mit Bertha von Suttner.

Max Moritz Wirth hatte zwei Brüder und drei Schwestern. Am 25. Mai 1909 heiratete er in Hannover die Ende 1879 geborene Marie Sophie Schneider. Mit ihr lebte er in Frankfurt viele Jahre lang in der Straße Im Lindenbaum 14. Wirth wurde wie sein Vater Patentanwalt. Seine Kanzlei lag in der Taunusstraße 1, er führte sie gemeinsam mit seinem älteren Bruder Richard (geb. 1865).

Zeit im Alpenverein bis 1933

Vater Franz Wirth gehörte zu den ersten Mitgliedern der 1869 gegründeten Frankfurter Alpenvereins-Sektion. Er machte zahlreiche große Ost- und Westalpentouren und wurde schon 1870 in den Sektionsausschuss gewählt. Bis etwa 1880 war er 2. Schriftführer.

Der Familienvater dürfte mit seiner Bergbegeisterung auch seine Kinder geprägt haben. So schrieb Max Moritz Wirths Tochter Sophie (1945 verstorben) über den Vater: „Wandern und Sport waren des Vaters Lebenselixier. Mit Ende Fünfzig bestieg er den Mont Blanc, von wo er auf einer Postkarte lakonisch schrieb: ‚Dr. Petersen (damals Vors. der Sektion, d. Red.) appetitlos‘. Nach seinem 70. Geburtstag stieg er mit uns zwei jüngsten Töchtern zu Fuß von Garmisch aus auf die Zugspitze, wo 1896 nur eine kleine Schutzhütte mit Fremdenbuch vorhanden war…. die letzten Stunden des Abstiegs im dicken Schnee…. Insgesamt 3 Tage unterwegs!“

Max Moritz Wirth trat 1903 in den Alpenverein ein. In die Sektionsführung wurde er 1913 gewählt, bereits 1914 wurde er 2. Vorsitzender. 1919 stieg er an die Spitze auf und folgte damit auf den verstorbenen Theodor Petersen, den legendären Gründer der Frankfurter Sektion. Wirth blieb danach mehrere Jahrzehnte Vorsitzender oder Vizevorsitzender und bestimmte die Geschicke des Vereins ganz wesentlich mit, bis er 1953 seine Ämter niederlegte.

Dabei waren die Zwischenkriegsjahre für die Frankfurter Sektion zunächst Jahre des Wachstums. Wirth war  ambitionierter Alpinist mit Westalpen-Erfahrung, er hatte schon um die Jahrhundertwende mit alpinen Skitouren von sich reden gemacht. Unter seiner Führung wurden neue Gruppen gegründet, die Sektionshütten ausgebaut bzw. modernisiert. Die Alpen lockten nicht mehr nur Bergsteiger an, die Pionierleistungen vollbringen wollten, sondern auch zunehmend wanderfreudige Touristinnen und Touristen. In Frankfurt wurden sowohl die Vorträge und Wanderausflüge der Sektion als auch ihre jährlichen Winterfeste zum Magneten für die Stadtgesellschaft. Wirth lag offenbar vor allem der Nachwuchs am Herzen – so fand er zum Beispiel im Nachrichtenblatt der Sektion viele lobende Worte für die neue, schnell wachsende Studentische Vereinigung der Sektion, die nach 1933 der Gleichschaltung zum Opfer fallen sollte.

Haltung zum Antisemitismus vor 1933

Schon Jahre vor 1933 wurden antisemitische Tendenzen im Alpenverein insgesamt, vor allem in den österreichischen Sektionen, immer stärker. Viele Sektionen hatten bereits Ausschlussregelungen in Form von „Arierparagraphen“ übernommen. Dagegen herrschte in der Frankfurter Sektion in dieser Zeit weiterhin ein selbstverständliches Miteinander jüdischer und nichtjüdischer Mitglieder. Das prägte auch Max Moritz Wirth, der die Sektion in dieser Phase mehrfach im Hauptausschuss, dem obersten Organ, vertrat.

Offensichtlich wurde das im schweren Konflikt um die Sektion Donauland, der vor allem jüdische Mitglieder angehörten. Sie hatte sich 1921 aus Protest gegen die zunehmende antisemitische Agitation im Gesamtverband und vielen Sektionen gegründet. Die massiven Versuche antisemitischer Sektionen, den pro Donauland eingestellten Hauptausschuss auf ihre Seite zu bringen, kommentierte Wirth als Vertreter Frankfurts  1922 mit den Worten: „Das Vorgehen dieser Sektionen ist unglaublich, und sollte in der H.-V. [Hauptversammlung] gebrandmarkt werden“. Doch die Antisemiten setzten sich am Ende durch: Bei der Abstimmung im Hauptausschuss Ende 1924 über einen Ausschluss der Sektion Donauland stimmte Wirth als einziger Vertreter dagegen. Bei der anschließenden Hauptversammlung gehörte Frankfurt zur kleinen Minderheit von 16 Sektionen, die den Ausschluss mit ihrem Nein nicht verhindern konnten.

Haltung zum Nationalsozialismus ab 1933
Das vertrauliche NS-Schreiben "Juden und Mischlinge" ging im Februar 1940 an alle Sektionsführungen
Vertrauliches NS-Schreiben "Juden und Mischlinge", Februar 1940 Archiv der Sektion Frankfurt am Main

Max Moritz Wirth war zur Zeit der „Machtergreifung“ der NSDAP 1933 Vorsitzender der Frankfurter Sektion und ihr Vertreter im Hauptausschuss des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuOeAV), später dann wurde er Zweiter Sektionsvorsitzender. Somit prägte er die Kurswende der Sektion entscheidend mit: Sie passte sich ab 1933 sehr schnell der nationalsozialistischen Doktrin an – das Überleben des Vereins zu sichern, hatte die allerhöchste Priorität, die Verbundenheit und Solidarität mit den jüdischen Mitgliedern wurde dafür preisgegeben. Wirth trat selbst nie der NSDAP bei; er war aber Mitglied im NS-Rechtswahrerbund, der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), dem Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund, dem NS-Reichskriegerbund und schließlich dem Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen.

Dass für Wirth das Wohl des Vereins an erster Stelle stand, wurde bereits bei der Sitzung des Hauptausschusses des DuOeAV im Mai 1933 deutlich. Dort wies er darauf hin, dass die Zukunft des Vereins wesentlich von ihrem Umgang mit jüdischen Mitgliedern abhänge. Er mahnte, dass ein Einfluss des NS-Regimes auf die Vereinsführung „nicht zu fürchten wäre, wenn sie judenrein ist“. Schließlich stimmte das Gremium seinem Antrag zu,  wonach den Sektionen, die noch keine „Arierbestimmung“ hatten, empfohlen wurde, in ihre Satzungen ein Beitrittsverbot für „Personen jüdischer Abstammung (im Sinne und im Rahmen der dafür im Deutschen Reich geltenden amtlichen Bestimmungen und mit den entsprechenden Ausnahmen)“ aufzunehmen.

Schon im März 1933 wurde mit Dr. Arthur Kutz ein langjähriges jüdisches Vorstandsmitglied der Frankfurter Sektion wohl zum Opfer dieses von Wirth gewählten Kurses. Kutz, der seit 1907 der Sektionsführung angehört hatte, wurde nicht wiedergewählt. Offiziell hieß es, der renommierte Frauenarzt habe seine Wiederwahl selbst „wegen zu großer beruflicher Inanspruchnahme“ abgelehnt. Aus späteren Äußerungen Kutz‘ lässt sich aber indirekt eine deutliche Verletzung herauslesen.

Aber auch Wirth selbst war betroffen von den Umwälzungen. Nachdem der gesamte Sektionsvorstand im Sommer 1933 wegen der neuen politischen Lage zurückgetreten war, sollte im Juli auf einer außerordentlichen Versammlung ein neuer Sektionsausschuss gewählt werden. Der bisherige Erste Vorsitzende kandidierte erneut, neben Amtsgerichtsrat Dr. Ernst Wildberger und Studienreferendar Walter Baecker. Wirth bekam tatsächlich mit 89 von 191 Stimmen die Mehrheit, blieb allerdings nicht lange im Amt. Bereits im September erklärte sich der 33 Jahre alte Wildberger, der die zweitmeisten Stimmen erhalten hatte und NSDAP-Mitglied war, zum neuen „Sektionsführer“.

Die Hintergründe sind nicht mehr vollständig aufzuklären. Allerdings schrieb Wirth selbst in einem mutmaßlich an den Hauptausschuss und den Gesamtverband gerichteten Schreiben: „Ich trage der neuen Zeit Rechnung und bin zurückgetreten.“  1946 erklärte er im Rahmen seines Entnazifizierungsverfahrens, er sei „als Vorsitzender des Alpenvereins von der Partei zum Verzicht gezwungen worden“.

Der Patentanwalt kehrte der Sektionsführung aber nicht den Rücken, sondern blieb als Stellvertreter im Sektionsvorstand immer in verantwortlicher Position, ab 1934 an der Seite von Rudolf Seng, der wie Wildberger NSDAP-Mitglied und ab 1934 dessen Nachfolger als Sektionsführer war. Wirth blieb ab 1933 auch zunächst noch eine Weile „Beauftragter des Führers für den Bezirk der südwestdeutschen Sektionen“. In den Nachrichtenblättern finden sich wiederholt von ihm verfasste Tourenberichte. Im Herbst 1944 gehörte er zu einer kleinen Gruppe von Sektionsmitgliedern, die es sich trotz des inzwischen schwer wütenden Krieges nicht nehmen ließ, das 75-jährige Sektionsjubiläum mit einer Zusammenkunft auf dem Gepatschhaus zu feiern.

Zwar vertrat Wirth die Sektion in diesen Jahren nicht mehr im Hauptausschuss des Gesamtverbands; allerdings hat er eng mit Seng zusammengearbeitet, und dies scheinbar mit gegenseitigem Respekt, wie Nachkriegsäußerungen von Wirth nahelegen. Wusste er also auch vom durch Seng vollzogenen rechtswidrigen Ausschluss des Sektionsmitglieds Ernst Meissinger wegen dessen jüdischer Mutter? Dieser verstieß gegen die 1935 gültigen Regeln, nach denen sogenannte „Mischlinge 1. Grades“ nicht ausgeschlossen werden durften. Ob Wirth eine Rolle in dem Vorgang spielte, wissen wir nicht – dass er ihn wohl geduldet hätte, scheint aber angesichts seines insgesamt stark an die neuen Verhältnisse angepassten Verhaltens möglich.  

Auch wenn die Sektion zu der Zeit längst streng hierarchisch organisiert war und der Sektionsführer eine große Machtfülle hatte: Wichtige Informationen wurden in der Sektionsführung geteilt. So auch ein als „vertraulich“ gekennzeichnetes Schreiben von Arthur Seyß-Inquart, DAV-Führer und im NS-Regime unter anderem Reichssstatthalter für Österreich, an alle Sektionsführer. Es stammt vom 22. Februar 1940 und hat den Betreff „Juden und Mischlinge im DAV“. In dem Schreiben untersagte  Seyß-Inquart die Neuaufnahme sogenannter „Mischlinge jeden Grades“. „Mischlinge“, die schon Mitglied seien, könnten allein deshalb aber nicht ausgeschlossen werden. Die Kenntnis dieses Schreibens haben neben Rudolf Seng auch sein Stellvertreter Max Moritz Wirth und andere durch ihre Unterschriftenkürzel bestätigt. Dies legt nahe, dass die Ausgrenzung von Menschen mit jüdischen Wurzeln von der Sektionsführung generell kollektiv getragen wurde.

Nachkriegszeit
Blieben weiter an der Sektionsspitze: Max Moritz Wirth (r.) und Fritz Peters kurz nach dem Krieg.
Blieben weiter an der Sektionsspitze: Max Moritz Wirth (r.) und Fritz Peters kurz nach dem Krieg. Quelle: Archiv der Sektion Frankfurt am Main

Nach dem Krieg war Max Moritz Wirth die treibende Kraft bei der Neugründung der Sektion, unter anderem zusammen mit Fritz Peters, der ebenfalls die gesamte NS-Zeit hindurch wichtige Funktionen in der Sektion innegehabt hatte. Eine selbstkritische Rückschau auf die Kollaboration mit dem Nationalsozialismus fand nicht statt, weder durch einzelne Personen noch insgesamt als Verein. Vielmehr war auch Wirths Ziel in erster Linie, die Sektion Frankfurt am Main und den Alpenverein als ganzen wieder aufzubauen und möglichst bald wieder in den Besitz der Hütten in Österreich zu gelangen.

Die Sektion kam am 7. April 1946 erstmals nach drei Jahren wieder zu einer Mitgliederversammlung zusammen, um den Neustart in die Wege zu leiten und einen neuen Vorstand zu wählen. Da Sektionsführer Rudolf Seng im Kampf um Frankfurt kurz vor Kriegsende unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen war, führte Max Moritz Wirth als kommissarischer Vorsitzender durch die Sitzung. Dass das Treffen menschlich sehr bewegend für alle war, nachdem die Kontakte im Verein durch die massiven Kriegszerstörungen zuletzt zerbrochen waren, fasste er in seiner Rede in eindringliche Worte: „Ich freue mich, dass heute so viele liebe, alte Gesichter wieder da sind, auf denen ich die Spannung sehe, was aus unserem guten, alten Alpenverein werden wird.“ Wirth erinnerte auch daran, dass wohl ca. 250 Sektionsmitglieder im Krieg gefallen seien, das wären mehr als zehn Prozent der Mitglieder.

Das Fehlen eines selbstkritischen Blicks auf die jüngere Vereinsgeschichte wurde jedoch überaus deutlich, als Wirth die Person Rudolf Sengs würdigte. Seng, der sehr früh in die NSDAP eingetreten war und gute Beziehungen zu Vertretern des Regimes hatte, erscheint in der Schilderung Wirths ausschließlich als einer, der den Verein in der NS-Zeit schützte und sich über alle Maßen für ihn einsetzte: „Mit großer Diplomatie“, so Wirth, „ist es ihm oft gelungen, unerfreulichen Zwang der neuen Reichsorganisationen abzuwenden oder totlaufen zu lassen.“ Wirth deutete auch an, dass es posthum offenbar schwere Vorwürfe gegen Seng gab – er prangerte diese aber an als „schamlose und verbrecherische Gerüchte“ mit dem Ziel, „sein (Sengs) Ansehen mindern zu wollen.“ Von sich selbst sagte Wirth, er habe 1933 „nach fünfzehn Jahren Vereinsleitung gezwungen zurücktreten“ müssen.

Noch bemerkenswerter ist vor allem Wirths Leugnung des sogenannten „Arierparagraphen“ in seiner Rede bei der ersten Mitgliedeversammlung: "Der Alpenverein ist ein unpolitischer Verein und duldet keinerlei, irgendwelche [sic] Politik in seinen Reihen, soweit das offizielle Arbeiten des Alpenvereins in Frage kommt“, betonte er, und weiter: „Wir haben auch die Rassengeschichte nicht mitgemacht. Weder haben wir dem Arierparagraphen seinerzeit zugestimmt, noch haben wir Mitglieder aus rassischen Gründen entfernt.“ Damit sagte er wissentlich die Unwahrheit über den Kurs der Sektion seit 1933. Dahinter stand möglicherweise die Überlegung, nur so bei den US-Besatzungsbehörden die Wiederzulassung als Verein erwirken zu können (hier zum Nachlesen: die Äußerung Wirths im April 1946 und exemplarisch die Satzungsänderung von 1934 mit der Übernahme des "Arierparagraphen").

In der Sitzung wurde Wirth schließlich zum ersten Nachkriegsvorsitzenden der Sektion gewählt, Fritz Peters zum Schriftführer und Hans Urban zum Kassenwart bestimmt. Kurt Blaum wurde Zweiter Vorsitzender.

Der Patentanwalt Max Moritz Wirth durchlief, wie jeder Deutsche über 18, in der frühen Nachkriegszeit auch ein Entnazifizierungsverfahren. Im entsprechenden Meldebogen stufte er sich als unbelastet ein: Er begründete dies zum einen damit, dass seine Mitgliedschaften in NS-Organisationen (NSV, Rechtswahrerbund, Reichsbund für Leibesübungen, Reichskriegerbund und NS-Bund Deutscher Technik) darauf beruhten, dass die jeweiligen Vorläuferverbände von den Nationalsozialisten zwangsübernommen worden seien. Zum anderen gab er an, dass er von der NSDAP gezwungen worden sei, als Vorsitzender des Alpenvereins zurückzutreten“. Während des Verfahrens kam es zu „eingehenden Ermittlungen im Wohnbereich des Betroffenen“. Allerdings ergaben diese laut Schlussbericht vom 19. März 1947 „keine Belastung“ Wirths. Das Verfahren wurde eingestellt.

Seine Ämter im Alpenverein legte der inzwischen 73-Jährige im Jahr 1953 nieder. Zu dem Zeitpunkt war er seit 50 Jahren Sektionsmitglied und wurde für seine „großen Verdienste um den Verein“ zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Ebenso war der passionierte Skifahrer Ehrenmitglied des Deutschen Skiverbandes.

Wirth starb am 29. März 1957 im Alter von 77 Jahren. Kurt Blaum würdigte ihn ausführlich in einem Nachruf, der im Nachrichtenblatt der Sektion und auch in den DAV-Mittteilungen abgedruckt wurde. Er hob sein jahrzehntelanges Engagement hervor, ebenso seine Verbundenheit mit dem Sektionsgebiet im Kaunertal, seine Leistungen als früher Skisport-Pionier sowie seine menschliche Wärme und Fähigkeit, zu vermitteln und den Jüngeren Vorbild und Mentor zu sein. Die Verstrickungen während der NS-Zeit kamen nicht zur Sprache. Sie fehlten auch zwölf Jahre später im Jahr 1969 noch, im Rückblick auf die Ära Wirth in der Festschrift zum 100-jährigen Sektionsjubiläum.

Diese Perspektive ist aus heutiger Sicht ergänzungsbedürftig. Denn mit der Aufarbeitung der NS-Zeit zeigt sich auch das Bild eines Mannes, der wohl kein überzeugter Nationalsozialist war – der aber das Weiter- und Überleben des Alpenvereins während der NS-Zeit zur Maxime seines Handelns als Vereinsfunktionär machte. Wirth gehörte zu denen, die die Gleichschaltung des Vereins nicht nur hinnahmen, sondern auch aktiv mitgestalteten. Damit trug er aktiv zur Ausgrenzung der als jüdisch verfolgten Mitglieder bei.