Hier ist bald mehr zu lesen!

Wir sind dabei, Dr. Kurt Blaums Schicksal zu dokumentieren.

Rolle in der Sektion Frankfurt

Der aus politischen Gründen zum 28. Dezember 1933 zwangsweise in den Ruhestand versetzte frühere Hanauer Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum wurde laut Nr. 2 des Nachrichten-Blattes der Sektion Frankfurt vom Februar 1934 Mitglied der Sektion Frankfurt am Main. Da er dort als "Oberbürgerm[eister]" bezeichnet wird, ist die Empfehlung zur Aufnahme vermutlich noch vor Dezember 1933 erfolgt. Im Februar 1936 wurden auch seine Ehefrau Hanna Blaum und sein Sohn Werner Blaum, Student, Mitglieder der Sektion Frankfurt. Kurt Blaum wurde auf der Hauptversammlung 1937 das "Silberne Edelweiß" für 25-jährige Mitgliedschaft im Alpenverein verliehen. Dies beruht auf dem Eintritt in die Sektion seiner Geburtsstadt Straßburg im Elsaß noch vor dem Ersten Weltkrieg.

Im Mai 1935 wurde Kurt Blaum als Nachfolger von Dr. Ernst Wildberger, der nunmehr als juristischer Berater der Sektion fungierte, zum Vortragsreferenten ernannt. Kaum ein Jahr nach seinem Eintritt war er damit bereits im Sektionsvorstand aktiv. Entsprechend seiner Funktion berichtete er im Nachrichten-Blatt der Sektion über Vorträge, erstmalig im Dezember 1935 über "Die Eroberung des Hochgebirgs für den Schi" durch den Regierungsrat Lohmüller aus Nürnberg und später zum Beispiel im Februar 1936 über "Im Winter auf Montblanc und Monte Rosa" durch Else Neber aus Pirmasens. Kurt Blaum war auch selbst als Redner in der Sektion aktiv: Er hielt am 9. April 1935 einen Vortrag über "Das Deutsche Alpenkorps in den Dolomiten 1915" und am 29. Oktober 1940 einen über "Die Vogesen, ein deutsches Mittelgebirge". Darüber hinaus hat er wiederholt im Nachrichten-Blatt Bücher besprochen, auch noch während des Zweiten Weltkriegs. So erschien seine Vorstellung von "Der weiße Berg. Meine Erlebnisse am Montblanc" von Ludwig Steinauer im April 1941.

Im Frühjahr 1937 übernahm Blaum auch die Vermittlung und Veranstaltung von Vortragsreihen einzelner Redner in den südwestdeutschen Sektionen des Alpenvereins als "Vortragsreferent der Gaue XII/XIII" im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen. Zur Hauptversammlung des Alpenvereins in Graz im Juli 1939 hat der Hauptausschuss Kurt Blaum eingeladen, um an Sonderbesprechungen innerhalb der Vortragsgemeinschaften teilzunehmen.

Außerdem hat Blaum Wanderfahrten geleitet, beispielsweise am 7. Juli 1935 zusammen mit dem Kassenprüfer der Sektion, Bankkaufmann Georg Seelbach, eine als "Marschübung durch den nördlichen Spessart" bezeichnete Wanderung von Obersailauf nach Bad Orb sowie am 11. Oktober 1936 eine weitere Spessartwanderung von Bad Orb nach Gelnhausen, erneut zusammen mit Georg Seelbach. An letzterer Wanderung nahmen 80 Personen teil. Da Kurt Blaum auch später noch als Führer bei Spessartwanderungen aktiv ist, etwa im Juli 1937 zusammen mit Dr. Max Tasche, scheint er für dieses Mittelgebirge als einer von mehreren Führern zuständig gewesen zu sein. Allerdings war er nicht auf den Spessart begrenzt, leitete er doch im Juni 1939 (erneut mit Max Tasche) eine Wandergruppe durchs Lahntal und im Juli 1940 mit Heinrich Deibel eine Taunuswanderung von Bad Homburg über Dillingen, Wehrheim und den Batzenbaum zurück nach Bad Homburg.

Für die außerordentliche Hauptversammlung am 7. Juli 1936 hatte Dr. Blaum als "juristischer Berater" die für alle im "Reichsbund für Leibesübungen" zusammengeschlossenen Vereine vorgeschriebene Einheitssatzung für die Zwecke der Sektion durchgearbeitet. Er war damit im juristischen Bereich neben Dr. Ernst Wildberger tätig, der für das Jahr 1936 vom "Sektionsführer" Dr. Rudolf Seng als juristischen Berater in den Beirat der Sektion berufen worden war. Auf der Hauptversammlung im Februar 1937 ernannte Seng Dr. Blaum als Beiratsmitglied, zuständig für Vortragswesen und juristische Angelegenheiten. Er löste damit Dr. Wildberger ab, der nun nicht mehr in offizieller Funktion der Sektion in Erscheinung trat. Folglich gehörte Kurt Blaum spätestens ab 1937 zum engen Kreis der Sektionsführung und behielt seine Ämter auch während des Zweiten Weltkriegs. Darüber hinaus war er nachweislich im Geschäftsjahr 1940/41 Mitglied des Ältestenrates der Sektion - neben Rudolf Seng (Leiter), Max Moritz Wirth, Curt Weißgerber und Georg Seelbach.

Zur Einweihung des Hauses in Oberreifenberg hat Kurt Blaum Verse gedichtet, die in Nr. 5 des Nachrichten-Blattes vom Juni 1937 abgedruckt sind. Sie enden mit den Worten "Denn für Deutschland glüht unser Herz so heiß, / Bergheil! Kameraden vom Edelweiß!". Dies belegt, dass er sich mit den politischen Verhältnissen in NS-Deutschland arrangiert hatte. Wie viele andere auch begrüßte er den vom Deutschen Reich erzwungen Anschluss Österreichs im März 1938. Auf der Titelseite von Nr. 4 vom April 1938 findet sich ein Gedicht von Kurt Blaum, in dem Hitler hierfür gerühmt wird. Als gebürtiger Straßburger lobte er in seinem Beitrag "Deutsche Vogesen" im Nachrichten-Blatt, Nr. 4 vom Oktober 1940, besonders den Sieg über Frankreich und die "Heimkehr" des Elsaß ins Deutsche Reich.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Wiederbegründung der Sektion Frankfurt im Jahr 1946 wurde Dr. Kurt Blaum zum zweiten Vorsitzenden gewählt und blieb es bis 1953. Dies zeigt, wie fest er durch seine Mitarbeit seit 1935 in der Sektion verankert war. Auch im Hauptausschuss des Deutschen Alpenvereins ist er aktiv geworden. Von 1951 bis 1957 war er vor allem an der Wiedergewinnung der auf österreichischem Boden stehenden Hütten für die deutschen Sektionen beteiligt. Des Weiteren ist er ab 1950 für zehn Jahre Mitglied des Unterausschusses für Hütten und Wege gewesen.

Quellen und Literatur

Nachrichten-Blatt der Sektion Frankfurt am Main

Frankfurter Personenlexikon