Familie, Ausbildung und Beruf

Martin Igersheimer wurde am 25. März 1894 als Sohn des Bankiers Sigmund Igersheimer und dessen Ehefrau Rosa, geborene Weilheim, in Amberg/Oberpfalz geboren. Nach dem Abitur am dortigen Gymnasium begann er in Frankfurt am Main das Studium der Nationalökonomie, das er aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im August 1914 nach dem 3. Semester abbrach. Er meldete sich als Kriegsfreiwilliger und schloss sich dem Nassauer Feldartillerie-Regiment an. Nach Ende des Krieges 1918 setzte Martin Igersheimer sein Studium nicht fort, da er sich nach eigener Aussage dem Bankwesen zuwenden wollte. Bis zum Jahr 1924 war er bei der Frankfurter Privatbank "de Neufville" beschäftigt. Er wechselte anschließend in das Versicherungsfach und übernahm 1927 die Leitung der Frankfurter Filiale der Deutschen Krankenversicherungs AG.

Martin Igersheimer war mit der am 28. Mai 1898 in Berneck/Fichtelgebirge geborenen Marie, geborene Weber, verheiratet. Das Paar hatte einen Sohn (geboren 1924).

Zeit im Alpenverein

Martin Igersheimer trat im Jahre 1924 der Sektion Frankfurt am Main bei. Über Aktivitäten im Verein ist nichts dokumentiert. Nachweise über einen Austritt bzw. Ausschluss aus dem Verein konnten bisher nicht gefunden werden, sodass unklar bleibt wie lange er Mitglied der Frankfurter Sektion gewesen ist.

Verfolgungsschicksal und Leben in der Emigration

Im Mai 1936 wurde Martin Igersheimer von seinem Arbeitgeber, der Deutschen Krankenversicherungs AG, entlassen. Seine Frau hat diesen Zeitraum eindrücklich in einem Dokument beschrieben. Sie führte hierin aus, dass ihr Mann durch seine exponierte Stellung als Filialleiter großen Schikanen, Überwachungen und Verfolgungen ausgesetzt gewesen war. Man nahm bei der Familie Hausdurchsuchungen vor, um belastendes Material zu finden. Igersheimers Frau wurde als "Arierin" übel beschimpft, da sie sich nicht von ihrem Ehemann trennen wollte. Nachdem auch seine Gesundheit mit der Zeit mehr und mehr litt, forcierte Martin Igersheimer seine Emigration, um sein und das Leben seiner Familie zu retten. Mit nur 16 Kisten Umzugsgut erfolgte am 28. April 1938 Martin Igersheimers Emigration nach Brasilien. Seine Frau und sein Sohn folgten ihm am 14. Oktober 1938. Auch Igersheimers Mutter gelang noch im April 1939 die Flucht nach Brasilien.

In Brasilien arbeitete Martin Igersheimer zunächst als Hilfsarbeiter und danach bis 1947 als technischer Leiter einer kleinen Firma für Baufertigteile. Hier bezog er nur ein geringes Gehalt. Nach seiner Übersiedlung nach Brasilien verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. Mehrere schwere Krankheiten schränkten ihn massiv ein. Martin Igersheimer starb am 30. Juli 1959 in Sao Paulo. Dort ist er auch begraben. Über den weiteren Lebensweg seiner Frau und seines Sohnes liegen uns bisher keine Informationen vor.

Quellen

Hessisches Hauptstaatsarchiv - HHStAW, Bestand 518, Nr. 17392